Empfehlenswerte Gaststätten

Vierte Etappe:   Ò Cebreiro  bis Portomarin    59 km

 

Anmerkung: diese Strecke ist bewusst kürzer als die morgige Etappe gewählt worden, damit man die Strecke zwischen Sárria und Portomarin (21 km) wirklich auf dem Original-Camino fahren kann. Man nimmt den Weg über die Ortschaften Barbadelo, Mercado de Serra, Peruscallo, Brea, Ferreiros, Rozas, Vilajá.

 

Am frühen Morgen bietet sich noch schnell ein kleiner Rundgang um die präromanische Kirche Santa Maria la Real mit dem charakteristischen Grundriss einer Basilika der vorromanischen Baukunst des 11. Jhrh. an. Man sieht wallende Nebel in den Tälern bei aufgehender Sonne. Fotomotiv!

Aus dem Ort geht’s erst einmal in abschüssiger Fahrt auf der Landstraße Lu 634 Richtung Alto de San Roque, zu dem es naturgemäß wieder bergauf geht. Danach fahren wir erst einmal wieder bergab, nicht zu schnell, damit man sich an den phantastischen weiten Tälern erfreuen kann. Im Mai blüht der Ginster und man sieht riesige gelbe Farbtupfer an den Berghängen. Der Ginster wird hier übrigens fünf oder mehr Meter hoch und bildet ganze Wälder. Im Hochtal sieht man in der Ferne die neue, zum großen Teil auf Stelzen stehende Autobahn, die von León bis Santiago führt.

Der nächste Pass, der Alto de Poio, bietet einen besonderen Ausblick in das vor uns liegende Land. Oben angekommen, kann man mit anderen Pilgern in der Bar Posada das Frühstück nachholen, zumindest sich einen „sello“ in das „Credencial de Peregrino“ drücken lassen.

Eine riesige bronzene Pilgerstatue auf der Passhöhe ist ein viel fotografiertes Objekt.

 

Palozza

Schafstall

galizische Landschaft bei O Cebreiro

 

Nun fahren wir 10 km nur bergab bis Triacastela .

 

Triacastela (los tres Castillos = die drei Burgen) kann heute keine Überreste der Burgen mehr vorweisen. Für die Pilger früherer Jahrhunderte war es Pflicht, zur Buße in einem der dortigen Kalksteinbrüche sich einen  Stein aufzuladen, den er dann im 80 km entfernten  Castan~eda bei den Kalköfen abzuliefern hatte. Aus diesen Steinen wurde dort ein Bindemittel (Kalk) hergestellt, das zum Bau der Kathedrale verwendet wurde. Jeder Pilger war somit am Bau der Kathedrale persönlich beteiligt.

Triacastelas Wurzeln liegen im IX. Jh. mit der Gründung des Klosters San Pedro und San Pablo. Im Laufe der Jahrhunderte genoss der Ort hohe Bedeutung und wurde vielfach von Herrschern aufgesucht, die hier Wohltaten für die Einwohner verrichteten. Die Kirche Santiago vereint wie viele andere am Camino verschiedene Baustile. Die Apsis weist romanische Elemente auf, die Fassade und der Turm sind aus dem 18. Jh. und der Giebel stammt aus dem Barock. Im Innern befindet sich eine Statue des Apostels.

 

Iglesia Santiago

Camino in Triacastela

antike Pilgerherberge

Santiago als Pilger

 

In Triacastela müssen wir uns für einen der beiden Pilgerwege entscheiden. Der kürzere, dafür aber schwierigere Weg führt über den Alto de Riocabo. Empfehlenswerter ist der Weg über das Kloster „Monasterio de los Santós y Julián y Basilisa de Samos“, ausgeschildert als „Monasterio Samos“. Wir befinden uns bis Samos auf der Landstraße  LU 634.

 

Das Kloster Samos „Monastrio de los Santos y Júlian y Basilisa de  Samos“ ist eines der ältesten Spaniens. Seine Gründung erfolgte bereits im Jahre 665, wie eine westgotische Inschrift  auf den Mauern des großen Kreuzganges bestätigt. Wegen seiner Lage am Jakobsweg und der in dem Kloster  lebenden Benediktinermönche ist seine Verbindung zur Pilgerschaft offensichtlich, schreiben  doch die Ordens-regeln der Benediktiner (Regula Benedicti) die Gastfreundschaft vor.  Der jetzige architektonisch eindrucksvolle und reiche Anlagenkomplex stammt fast vollständig aus dem 16. bis 18. Jh. ( Renaissance- und Barockstil). Im Innern  befindet sich ein sehenswerter Kreuzgang (Claustro) und  eine reichlich ausgestattete Bibliothek Das Kloster ist ein Symbol für die Kultur Galiziens und für ganz Spanien. Die Kirche (XVIII. Jh.) empfängt mit einer Barockfassade und einem imposanten Treppenaufgang, der an die Treppe der Kathedrale von Santiago erinnert. Ihr Inneres mit seinem durch acht Rundfenster erleuchteten Gewölbe bewahrt im klassizistischen Retabel das Bildwerk des San Júlian, eines der Namensgeber für das Kloster.

Der große Kreuzgang aus dem XVII. Jh. wird als der größte Klosterkreuzgang Spaniens angesehen und bewahrt eine Statue des Padre Benito Jerónimo Feijos (1676 – 1764), eine der Lichtgestalten des zeitgenössischen Geisteslebens.

Ein weiterer kleiner Kreuzgang,  der Kreuzgang der Nereiden, stammt aus der Zeit der Spätgotik (XVI. Jh.). Zwischen beiden Kreuzgängen befindet sich das romanische Portal der ursprünglichen Kirche.

 

Kloster Samos

Vierungskuppel

Fluss Ouribio

 

Nach der Ortschaft Samos fahren wir auf der Landstraße LU 633 ein kleines Stück durch das Tal des Rio Ouribio unter schattigen Bäumen entlang. Jedoch bleiben uns auch auf dem Restweg bis Sárria  Steigungen auf der Landstraße, die hier auch identisch mit dem Original-Fußweg ist, nicht erspart (teilweise Schotterweg für die Fußwanderer, sollte man jedoch mit dem Rad meiden). Ein Abzweig nach der Ortschaft Pascáis ist nur für Fußpilger empfehlenswert, denn ab dieser Ortschaft benutzt man die „Corredoiras“, die Pfade zwischen den einzelnen Weilern. Wir werden diese Pfade erst ab Sárria  eine Teilstrecke noch nutzen und bleiben bis dort erst einmal auf der Landstraße. Wir erreichen Sárria über eine Brücke über den Rio Sárria und gelangen in die an einem Berghang liegende Altstadt. Die Sirga entlang bergan schiebend, haben wir in dieser Straße noch einmal die Möglichkeit, uns zu erfrischen. An dieser Calle Mayor liegt rechterhand zu Anfang die moderne Kirche Santa Marina, und weiter oberhalb des „Cerro de Castillo“ (Burghügel) befindet sich die Pfarrkirche Del Salvador.

                                                                                                                                            

 

Die Iglesia Perroquial (Pfarrkirche) San Salvador (des Erlösers) in Sárria ist eine würdige Vertreterin der ländlichen  galizischen Romanik aus dem 11. Jh.. Sie besitzt nur ein einziges rechteckiges Kirchenschiff und eine halbkreisförmige Apsis. Sehenswert sind auch ihre beiden Portale. In der Nähe der Kirche liegt ein Gebäude, welches als das Hospital des Hl. Antonius (San Antonio) gedeutet wird. Wenn es so wäre, könnten wir es als ein Zeugnis der Existenz des Antonier-Ordens auch in Galizien ansehen, der so aktiv auf den kastillischen Etappen des Jakobweges war. (Stephan und Klaus werden  sich noch an die Ruinen des „Conventos San Anton“ bei Hontanas, 40 km hinter Burgos, erinnern.) Der gute Ruf des Antonier-Ordens rührte von der Fähigkeit her, das Antoniusfeuer zu heilen. Diese Krankheit, welche, verursacht durch Getreidepilze (Mutterkorn), schmerzhafte Verkrüppelungen zur Folge hatte, geißelte während des 12. und 13. Jh. Europa.

 

Kirche Santa Maria

Sirga in Sárria

Pilgerbüro in Sárria

 

 Am Ende der Straße gelangen wir zu den Resten einer früheren Festung, die während der Volksaufstände im XV. Jh. fast vollständig zerstört wurde. Hier befindet sich auch das  Kloster der Hl. Magdalena (Convento de la Magdalena), erbaut im plateresken Stil mit spätgotischen Elementen. Hier verlassen wir Sárria und es geht steil bergab auf einem holprigen Pfad  und gelangen erst einmal auf die  Landstraße C-535, der wir nach links folgen, jedoch nur ein sehr kurzes Stück. Wir achten auf die Ausschilderung nach Barbadelo bzw. Rente. Wenn wir nun dieser folgen, werden wir ein landschaftliches Erlebnis haben, das man so schnell nicht vergisst !

Wir werden die Teerstraßen nicht vermissen, denn jetzt radeln bzw. schieben wir auf idyllischen Pfaden durch Zauberwälder, einsame Dörfchen und Weiler, überwachsene Hohlwege.  Wir befinden uns auf den „corredoiras“, übersetzt: „Trampelpfad“

Dort, wo kleine Bäche den Weg überspülen, kann es schon vorkommen, dass man sein Rad über große Steinplatten schieben muss. Es geht teilweise wirklich über Stock und Stein, über Felsbrocken und  starken Baumwurzeln, teilweise wird das Rad getragen! Bergauf und bergab, ist dieses Stück wirklich kräftezehrend mit seinen steilen Waldpassagen. Jedoch offenbart sich gerade hier auf dem Camino die einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft Galiziens in beeindruckender  Weise. Zahlreiche, am Weg platzierte Steine mit darauf vermerkten Ortsnamen helfen, bei den teilweise ineinander übergehenden Weilern die Orientierung nicht zu verlieren. Hier ein kleiner Ausschnitt der Dorfnamen  und Weiler : Barbadeleos, Peruscallo, Cortin~as, Lavandaeira, Brea, Mercadoiro, Parrocha und viele andere

 

In Barbadelo, richtiger: Santiago de Barbadelo, bietet die Pfarrkirche, Teil eines früheren Klosters, wieder ein Beispiel galizischer Romanik. Sie besitzt ein einziges Kirchenschiff und einen angebauten quadratischen Turm. Das Hauptportal mit vier Säulen, den die Säulen abschließenden Kapitellen, welche wiederum zwei  Archivolten** tragen, sind mit tierischen und menschlichen Motiven geschmückt.

**Unter einer Archivolte versteht man den plastisch gestalteten Bogenlauf im romanischen und gotischen Portal

 

 

 

Iglesia Peroquial in Barbadelo

romanisches  Portal

 

 

·         Barbadelo wird im ältesten Pilgerführer bereits erwähnt und zwar im schlüssigen Text über das Schurkentum und die Niedertracht, die am Pilgerweg nach Santiago während des Mittelalters üblich war. Der Pilgerführer sagt aber auch, dass er ein Ort für Pilger war, an dem sie sich versammelten.

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Hier ein Auszug aus dem „Liber Sancti Jakobi“ oder „Codex Calixtinus“, einem uralten Pilgerführer: (Zitat entnommen aus dem „Praktischen Pilgerführer“, ein höchst empfehlenswertes Buch für den Pilger, aus dem Studienzentrum zum Jakobsweg,  Editorial Everest S. A. , Madrid.  Es ist die ausführlichste volkstümliche Publikation, die ich über den Jakobsweg finden konnte)

 

In diesem Kapitel geht es darum, dass die Wirtsleute den Pilgern nach Triacastela und Barbado entgegengehen, sich als wohlhabende Bürger ausgeben, sie mit Überzeugungskraft umgarnen und ihre eigene Gastfreundschaft rühmen.

·         Zitat: ........wenn Ihr eine gute Gastfreundschaft in Santiago genießen wollt, quartiert  Euch in meinem Hause ein; sagt meiner Frau und meiner Familie, dass sie sich um Euch kümmern sollen, im Namen der Liebe, die sie für mich haben. Ich werde Euch ein Kennzeichen geben ,,damit Ihr es ihnen vorzeigt“....

·         Weiter zitiert nun der „Liber Sancti Jacob“, wie die Pilger, die diese Empfehlung annehmen, dort gut einquartiert und gut beköstigt werden, die Wirtin Ihnen anschließend zu weit überhöhten Preisen eine Kerze verkauft Zitat Ende ........... Auf diese Art und Weise betrügen die Wirtsleute die Jakobspilger <<< (die Originalfassung ist im oben genannten Pilgerführer nachzulesen)

Sollte die Zeit knapp werden, kann man hier wieder auf die C 535 gelangen, um schneller voran zu  kommen. Es wäre jedoch schade um das Erlebnis. Wer es sich zutraut,  sollte die Erschwernisse der unebenen und rutschigen Corredoiras,  weiter in Kauf nehmen..

 

Wir haben uns also für die Original-Trampelpfade entschieden und werden nicht enttäuscht sein. Zuerst radelt es sich auf Asphalt bis zur kleinen Ortschaft Cortin~as.  Über Steinplatten verlassen wir den Ort, gelangen auf einen Sandpfad. Wir achten auf die Wiesen und Felder, die von senkrecht stehenden schmalen Steinplatten eingefasst sind.

 

Die einzelnen Parzellen haben zum Teil nur eine geringe Fläche. Im frühen Galizien wurde das (Hof-) Erbe nicht wie in Deutschland dem ältesten Sohn übertragen, sondern es wurde unter allen Geschwistern aufgeteilt. So konnte nach Generationen kein Acker mehr den Einzelnen ernähren und brachte somit Armut über die Bevölkerung und bewog viele Einwohner, nach Amerika auszuwandern. Mittlerweile gab es eine Landreform, die das Teilen von Parzellen  verbietet.

 

 

„Corredoiros“, die Verbindungswege zwischen den Weilern

 

Bald erreichen wir nach den Weilern Lavanderia und Casal eine markante Stelle für den Pilger. Bei dem Weiler Brea befindet sich ein Wegemarkierungsstein, der die Zahl 100 km trägt. Natürlich wird ein Foto mit der vollzähligen Gruppe geschossen (ein anderer Wanderer wird dies wohl übernehmen) und vielleicht hat einer von Euch auch eine Flasche Sekt  mit! Falls nicht, der nächste Ort, Morgade, bietet eine Möglichkeit, dies nachzuholen. Hier kann man sich im kühlen Innenhof der ganz auf Pilger eingestellten Dorfkneipe auf den weiter beschwerlichen Weg einstellen: Wir werden unsere Räder  nun des öfteren über die von Bächlein überspülten Wegstücke tragen oder schieben.

Auffallend  sind nun die Wegesteine, alle 500 Meter, die uns bis Santiago begleiten werden. In der nächsten Ortschaft Ferreiros (galicisch = Schmiede) konnten sich die Pilger (Zitat aus einem frühen Pilgerbuch) „das Schuhwerk mit Nägeln  beschlagen, den Reittieren die Hufe beschlagen“. Vielleicht entdeckt man noch eine alte Schmiede. Anschließend  folgen Morallos mit seiner romanischen Kirche Santa María de Ferreiros, Pena, Couto Moimentos, Mercadoiro, Moutras, Parrocha und Vilajá, eine schöne Reihe markanter galizischer Ortsnamen.

 

Bei letzterer Ortschaft befand sich das Kloster der Heiligen  Maria von  Loyo ( Monasterio de Santa María de Loyo), in dem der Orden der Sankt-Jakobs-Ritter entstanden ist ( Santiago-Orden).  Hier wurden gegen Ende des 12. Jh. die ersten Satzungen dieses großen spanischen Ritterordens geschrieben. Von dem in früheren Zeiten großartigen Klosterkomplex sind heute kaum mehr Ruinen erhalten.

 

Wir sind jetzt vor unserem Etappenziel Portomarin. Als letzte Kraftanstrengung werden wir nach Überquerung des neuen Stausees „Embalse de Belesar“ unsere Räder die Straße in den Ort Portomarin hochschieben.

 

Portomarin ist eine auf dem Reißbrett entstandene Stadt, die 1962 mit Fertigstellung des Stausees eingeweiht wurde. Die wichtigsten Bauwerke wurden  Stein für Stein abgetragen und auf den  Berg verbracht. So steht am  Ufer des Sees ein Bogensegment einer alten Brücke über den Min~o-Fluss  und die Steinquadern eines weiteren Brückenbogen wurde zum Bau der Kapelle Las Nieves oberhalb des Brückenfragmentes genutzt und selbst die wehrhafte Kirche San Nícolas fand einen neuen Standort am Plaza Mayor.

Diese Kirche hatte eine Vorgängerin mit dem Namenspatron der Marina, die jedoch vom militärisch geführten Johanniterorden zu einer Festungskirche mit Zinnen und Türmen umgebaut wurde, typisch für die  Militärorden. Die aus dem 12. Jh. stammende Kirche hat einen rechteckigen Grundriss mit einem Schiff und einer halbkreisförmigen Apsis. Unter den ornamentalen Elementen sind die Skulpturen an ihrem Portal, insbesondere die innere Archivolte mit 24 Personendarstellungen der Apokalypse, die verschiedene Musikinstrumente des Mittelalters spielen, und die feingliedrige Rosette von  fünf Meter Durchmesser ihrer Hauptfassade zu erwähnen. Der Name Portomarin lässt scheinbar auf einen Marinehafen schließen, jedoch dem ist nicht so. Schon zu römischen Zeiten stellte diese Stelle am Min~o einen wichtigen Übergang dar. Das erste Glied seines Namens „porto-“ hat auf galizisch die Bedeutung einer „Furt“, einer seichten Flussüberquerung. Das zweite Namensglied „-marin“, rührt daher, dass es seit dem Hochmittelalter dort ein Heiligtum gab, das der Heiligen Marina geweiht war.

Portomarin erlangte im Mittelalter große Bedeutung durch die Anwesenheit der drei großen Orden des Jakobweges, des Johanniter-Orden, der Jakob-Ritter-Orden und der Templer-Orden.

 

Iglesia San Nicolás 13. Jhrh.

fein ausgeschmücktes Portal


Brückenfragment

Embalse de Belesar

 

Weiler bei Portomarin


Conce llo in Porto Marin

 

Ginster

Dorf im Frühnebel

 

Empfehlenswerte Gaststätten