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Fünfte Etappe:   Portomarin bis Santiago de Compostela  94 km

 

Heute wird noch einmal voller Einsatz von uns verlangt. Fast einhundert  Kilometer liegen vor uns. Unterwegs wollen wir uns heute nicht mehr mit Bauwerken und der Landschaft allzu sehr aufhalten. Uns erwartet sofort ein langgezogener Anstieg auf der wenig befahrenen Landstraße. Weiter radelt man über stille Nebenstraßen und zahllose Hügel. Heidekraut überzieht die Landschaft der Sierra de Ligonde und der Blick schweift bis an den Horizont. Dort in der Ferne warten die ersten Eukalyptuswälder auf uns.

Uns sind vielleicht gestern schon die eigenartigen Gebilde aus Holz oder Stein aufgefallen, die sich auf einem Sockel mit Plattform befinden. Es sind die im vorigen Kapitel beschriebenen „horreos“, die für Galizien typischen Maiskolbenspeicher. Heutzutage sind sie nicht mehr in Gebrauch.

Obwohl wir nun etwas unter Zeitdruck stehen, dürfen wir es nicht versäumen, zwischen Airexe und Portos die Route zu verlassen, um die kleine Ortschaft Vilar de Donas aufzusuchen. Hier erwartet uns ein Kleinod romanischer Kunst in Galizien, die Iglesia San Salvador.

 

Die Kirche San Salvador in Vilar de Donas, die wertvollste der zwanzig kleinen Kirchen in der Gegend von Palas del Rei, wurde erstmalig im Jahre 1184 urkundlich erwähnt, als sie dem Orden der Jakobsritter (Santiago-Orden) unterstellt wird. Die Kirche wird zur allgemeinen Grabstätte der Jakobusritter in Galizien. Die Wurzeln der Kirche reichen wohl noch zwei Jahrhunderte weiter zurück, als in der Mitte des XII. Jh. Don Arias de Monterroso und dessen Ehefrau ein Nonnenkloster an dieser Stelle gründen, welches mit vielen Privilegien vom Königshaus ausgestattet wurde. Hier liegt auch die Deutung des Namens „Vilar de Donas“ (Haus der Herrinnen, von Duen~as, Donas). Die Kirche hat den üblichen Grundriss prä-romanischer Kirchbauten, einem lateinischen Kreuz nachempfunden, mit einem einzügigen Längsschiff und einer halbkreisförmigen Haupt-Apsis, flankiert von zwei Nebenapsiden.

Außergewöhnlich ist das Portal mit fünf  Rundbögen, deren Stützpfeiler, Kapitelle und Archivolten ungewöhnlich schöne Bildformen aufweisen. Im Innenraum erwartet uns ein Retabel aus Granit am Hauptaltar mit Szenen der Kreuzabnahme und des Wunders von O’Cebreiro. Der Altarhimmel ist ein gotisches Meisterwerk  des 15. Jh., abgeschlossen mit dem Relief einer Burg. Schließlich überraschen uns noch die gotischen Fresken-Wandmalereien, ebenfalls aus dem 15. Jh., die in ihrer Art einzigartig in Spanien sind. Steintafeln und Stein-Sarkophage der Gräber der Sankt-Jakobsritter sind weitere Kunstschätze des Innenraumes.

 

 

Iglesia San Salvador in Vilar de Donas

 

Salvador-Kirche   
Rittergräber 
Fresken 14. Jhrh
   Steinkreuz


Bei Palas del Rei nehmen wir die Nationalstraße N 547 bis hinter Porto de Bois. Bevor wir die Provinzgrenze von Lugo zu La Corun~a überschreiten, verlassen wir die Nationalstraße bei der Ortschaft Coto, um einen kleinen Abstecher zum Castillo de Pambre zu machen.

 

 Das Castillo de Pambre, 14. Jh., vom gleichnamigen Fluss begrenzt, ist eine der mittelalterlichen Befestigungen in Galizien, die den Angriffen der „Irmanin~os“, aufständische Bauern gegen den Adel, standhielt und damit am vollständigsten erhalten geblieben ist. Sie besitzt einen Bergfried, um den sich vier andere, unterschiedliche Wehrtürme anordnen. In die Außenmauer eingeschlossen ist eine romanische Kapelle aus dem XII. Jh.. Die Burg wurde Ende des XIV. Jh. von Gonzalo  de Ulloa  erbaut., dessen Nachfahren noch heute eine der einflussreichsten Familien dieser Gemarkung stellen.

 

Castillo de Pambre

Melide,
San Pedro Portal

Steinkreuz
Retabel in Sancti Spiritus

Wir gelangen in die Kleinstadt Melide, die wie die navarresische Stadt Puente la Reina ein Schnittpunkt von zwei Jakobswegen bildet. Hier trifft sich die Nordroute über Oviedo mit dem Camino Francés. Diesem Umstand wurde in der Hochzeit der Pilgerschaft durch vier große Pilgerherbergen  Rechnung getragen. Interessant ist in diesem Ort die Pfarrkirche, Teil einer früheren Klosteranlage und eines Hospitals.

 

Melide, auch Mellid geschrieben, ist wahrscheinlich römischen Ursprungs. Urkundlich belegt ist seine Geschichte mit der Bebauung des Burghügels, jedoch fiel die Burg dem Bauernaufstand gegen den Adel zum Opfer. Auch von der früheren romanischen Kirche San Pedro im gleichnamigen Ortsteil findet sich nur noch das Portal mit neuzeitlichem Anbau wieder. In der Nähe dieses Gebäudes finden wir das älteste steinerne Wegkreuz  Galiziens vor. Das gotische Kreuz aus dem XIV. Jh. zeigt den glorreichen Christus, auf einem Thron sitzend, gekrönt mit der Dornenkrone, die Wunden seiner Füße und Hände zeigend. Auf der anderen Seite des Kreuzes ist Christus mit Maria und Johannes in Stein geschlagen. Erhalten geblieben ist dagegen die Pfarrkirche (Iglesia Parroquial) Santa Maria de Melide, ein einschiffiges Gotteshaus mit rechteckigem Grundriss, einem Tonnengewölbe, und einer Apsis, erst rechteckig und mit halbkreisförmiger Stirnfläche,. Beeindruckend sind die Freskenmalereien aus dem XV. Jh. im Gewölbe und an den Wänden der Apsis.

 

Ab Melide fahren wir auf der Landstraße C 547 , die wir bis Arzúa, zumindest ab Boente auf den letzten 10 Kilometern nutzen wollen, da der Original-Camino hier abrupte Gefälle und Steigungen aufweist.

Nach Arzúa verläuft der Camino mal links, mal rechts von der Landstraße, lässt sich relativ gut befahren, jedoch bietet sich aus Zeitgründen bei wenig Verkehr die Landstraße an. Bei Labacolla (auch Lavacolla bezeichnet) befindet sich der Flughafen, an dessen Einflugschneise man vorbei fährt. Ab hier sollte man wieder den Original-Camino benutzen, um über die Ortschaften Vilamayor und San Marcos zum Monte de Gosso zu gelangen.

 

Lavacolla wird bereits in dem Pilgerführer des Mönches Aymeric erwähnt (Zitat):

„Und ein Fluss, Labacolla genannt, weil die französischen Pilger auf dem Weg nach Santiago sich in dem dichtbewachsenen Gelände, durch das er in zwei Meilen Entfernung von Santiago  fließt, entkleideten und sich aus Liebe zum Apostel nicht nur einzelne Teile {mentulas} reinigten, sondern den Schmutz des ganzen Körpers abwuschen“ .

Tieferer Sinn dieser rituellen Waschung lag wohl in dem Bekunden der Pilger, sich auf die Begegnung mit dem Apostel Jakobus vorzubereiten. Aber auch hygienische Aspekte mögen Ausschlag  zu diesem Tun gegeben haben

Eukalyptuswald 
Bushalte für müde Pilger
Ferreiros, alte Schmiede

 

 

einer der ältesten Maisspeicher 
undurchdringlicher Wald
Orientierungstafel für Autopilger

Wir radeln an der weiträumigen Hotelanlage „Refugio Peregrinos Monte del Gosso“ entlang abwärts und holen uns dort an der Rezeption unseren letzten Stempeleintrag für den Pilgerpass. Dieses wie ein Camp aussehende und heute unentbehrliche riesige Massen-Übernachtungs-quartier am Hang wurde seinerzeit für den Besuch des Papstes Johannes Paul in Santiago de Compostela errichtet, hat aber leider die idyllische und gefühlsbetonte Landschaft, die der Monte Gosso vormals bot, zerstört.

Steinkreuzsockel 
Monument am Monte de Gosso
San Marcos

Noch fünf Kilometer und wir sind am Ziel. Wir erreichen die Altstadt und gelangen direkt auf den großen Platz vor der Kathedrale, dem Praza de Obradoiro. Wir gehen zum zentralen Punkt des Platzes, wo neuerdings zwei Gussplatten eingelassen sind, ein kurzer Rundum-Blick, vor uns die überwältigende Barockfassade der Kathedrale mit den Zwillingstürmen, die dem Platz seinen Namen gab, linkerhand das Hostal Dos Reis Catolicos, ehemals ein Pilgerhospital, heute ein 5 Sterne-Hotel, in dem auch die Königsfamilie zu übernachten pflegt, wenn sie sich in Santiago de Compostela aufhält. Hinter uns ist das Casa Consistorial, das Palacio de Rajoy, in dem das Rathaus der Stadt und ein Teil der Xunta de Galicia, der Regierung, untergebracht sind. Zur rechten Hand liegt der Gebäudekomplex Colegio San Jerónimo, in dem sich das Rektorat der Universität und die Abteilung der pharmazeutischen Studiengänge befinden. Übrigens sind alle Fakultäten der compostelanischen Universität in historischen Gebäuden über Santiago de Compostela verstreut.

 

Hostal Los Reys Catolicos
Berufspilger “ 
Casa Consistorial

 

Um zu unserem Hotel Pico Sacro zu gelangen, müssen wir 100 Meter die Calle San Francisco wieder zurück gehen.

 

Die Hauptfassade der Kathedrale, auch Obradoiro-Fassade genannt, ist ein steinernes Altarbildnis aus Granit, der von compostelaner Künstlern veredelt wurde und alle Stile der barocken Bauskunst des XVIII. Jh. zusammenfasst. Über eine doppelte Freitreppe gelangt man auf  Freifläche, über der die mit reicher Schnörkelverzierung und Skulpturen  versehene Fassade in den Himmel strebt. Die Zwillingstürme erheben sich bis in 70 m Höhe gleich Säulen der Erde. Besonders beeindruckend erscheint die Fassade bei Nacht, wenn sie angestrahlt wird.

Barock-Fassade der Kathedrale


Die Pilgermesse ist jeweils um12 Uhr. Vorher suchen wir das Pilgerbüro auf, um die erstrebte Compostela zu erhalten. Es befindet sich am Anfang der Rua de Vilar („Rua“ ist das galizische Wort für „Straße“. Dabei teilen wir der den Pilgerpass prüfenden  Angestellten des Bischofs mit, dass wir zu sechs Personen aus Bad Sassendorf die Pilgerfahrt unternommen haben. Wir werden dann in der täglichen Pilgermesse erwähnt.

 

Portico de la Gloria 
Detail Portico de la Gloria
Detail „Ankunft der Schiffe“

 

An besonderen Feiertagen bei jeder Messe und auch bei der sonntäglichen Pilgermesse wird das Schwingen eines überdimensionierten silbernen Weihrauchkessels, „botafumeiro“ genannt, von einem Querschiff-Gewölbes zum anderen von den Pilgern als einprägsames Erlebnis wahrgenommen. Dabei wird der Kessel mit glimmenden Weihrauch und ätherischen Ölen, an einem dicken Seil hängend, über eine komplizierte Technik im Kreuzgewölbe von acht in historischen Gewändern gekleidete „Tiraboleiros“ mit kräftigen Bewegungen von einem Kreuzschiff bis ins andere geschleudert. Dabei beschreibt der Kessel einen Halbkreis mit einem Durchmesser von 50 Metern. Ursprünglicher Sinn dieses Ritus war das Überdecken der Ausdünstungen der Pilgermassen, wurde doch der Innenraum der Kathedrale in früheren Jahrhunderten auch als ein Ort des Übernachtens angesehen.

 

Orgel mit Trompetenpfeifen  
schwingender Botafumeiro 
Schrein des Jakobus

 

Jakobus als Matamoro,
der Maurentöter
die zur Zeit verschlossene „Heilige Pforte“
Mechanik des „botafumeiro“
in der Vierungskuppel

 

Das am nördlichen Rand des Praza de Obradoiro (Praza = Platz und mit Obradoiro wird die Fassade der Kathedrale bezeichnet) gelegene Hospital Real de los Reyes Catolicos diente in früheren Jahrhunderten als Pilgerherberge und war ein bedeutendes Wohltätigkeitszentrum. Bauhistorisch gesehen bildet es ein Gebäudekomplex mit verschiedenen Baustilen: Spätgotik- und Renaissance-Elemente und Formen der Barockkunst des XVII. und XVIII. Jh. prägen dieses Denkmal aus Granit. Den Mittelpunkt der Hauptfassade bildet ein reichhaltig verziertes Portal, das einem Plateresken-Retabel gleicht. Den Eingang umsäumen Säulen mit einer wundervoll ausgearbeiteten Archivolte, die von einem Fries gekrönt wird, bestehend aus Statuen, die unter kleinen Thronhimmeln stehen. Darüber befindet sich ein mit Figuren bestückter Abschlussgiebel.

Dieses berühmte Pilgerhospital ist heute eine Nobelherberge, ein Parador mit 5 *****, das Hostal Dos Reyes Catolicos, dessen Ausstattung reich mit spanischen Stilmöbeln, Gemälden, Leuchten und Teppichen dekoriert ist. Auch architektonisch bietet dieser Bau Höhepunkte der filigranen Schmiedekunst, eine zum Ausstellungssaal umfunktionierte Kapelle mit einer Sternenkuppel, verschiedene Kreuzgewölbe, mehrere Innenhöfe mit Skulpturen und eine imposante Barocktreppe. Man sollte keine Hemmungen haben, die Pförtner am Eingang ignorieren und sich hinter die kunstschmiedenen Gitter begeben, um diese Kunstschätze zu bestaunen. Oft finden auch öffentliche Ausstellungen in der Kapelle statt, die den Zugang erleichtern. Übrigens übernachtet das spanische Königshaus in diesem Parador, wenn es in Santiago verweilt.

 

Platereskes Figurenband
Parador Hostal „Dos Reyes Catolicos“
Kragsteine

                       

Ein besonderes Kleinod bleibt den meisten Besuchern Santiagos vorenthalten, da es etwa einen Kilometer vom Altstadtzentrum entfernt hinter der Bahnlinie liegt. Es ist die Stiftskirche Santa Maria la Real de Sar, zum Colegiata de Santa Maria del Sar aus dem 12. Jh. gehörend. Diese Colegiata am Ufer des Rio Sar war ein Kloster des Templerordens mit angeschlossenem Lepra-Hospital. Die Stiftskirche, 1136 durch den berühmten Bischof Gelmirez geweiht und von Alfons XII bestätigt, ist eines der schönsten Beispiele romanischer Architektur des XII. Jh. Der dreischiffige Innenraum mit Tonnengewölbe und jeweils einer Apsis als Abschluss, überrascht durch die schrägen, sich vom Mittelschiff abwendenden Säulen und Mauern, und bietet einen faszinierenden optischen Effekt, hervorgerufen durch eine Verweichung des Untergrundes. Der romanische Kreuzgang wird als einer der eindrucksvollsten in Galizien gesehen. Er entstand unter der Aufsicht des Maestro Mateo, des Erbauers des Pórtico de la Gloria in der Kathedrale. Die Säulen des Kreuzgangs mit ihren Kapitellen und Archi

 

nachträglich angebaute Strebepfeiler
Rua de Vilar
Stiftskirche Santa Maria de Sars
              

 

Pilgerbüro
Tuna-Sänger Sr. Avila
Uhrenturm 
1. Haus am Platze

 

 

 

Jakobusstatue im Altar 

 

Faksimile des Codes Calixtinus

 

Alle Rechte am Bild liegen bei

Helmut Mey.

Ich danke meinem Sohn Markus

für die tatkräftige Unterstützung

beim Layout dieser Seiten.

Bad Sassendorf, im Februar 2007

 

 

Anhang: Nachweis von Pilgerherbergen und Hostals


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